Geschichte des Landgestüt Zweibrücken

Die Gründung

Die Gründung des Gestüts und die Zucht des „Zweibrückers“ geht auf die Regierungszeit Christians IV. (1740-1775) zurück. Der Herzog, selbst ein guter und begeisterter Reiter und Jäger, hatte bei einer Reise nach England dort die Pferdezucht, vor allem die Englischen Vollblüter, kennen gelernt. Die gewonnenen Erkenntnisse sollten zu Aufbau einer eigenen Pferdezucht dienen. So entstanden in den Jahren 1752 – 1755 in Birkhausen im nahen Hornbachtal, auf dem Eichelscheiderhof bei Waldmohr, bei Kirkel und auf dem Holzhauserhof bei Nohfelden an der Nahe Einrichtungen des herzoglichen Gestüts. Als Gründungsjahr gilt das Jahr 1755.

In diesem Jahr erließ Herzog Christian IV. eine Verordnung, in welchem er die Aufstellung herzoglicher Hengste auf auswärtigen Beschälstationen des Herzogtums Zweibrücken regelte. Von seinem Bruder, dem Kaiserlichen Feldmarschall Friedrich Michael, hatte Christian IV. z. B. den Araberhengst zum Geschenk erhalten. Christian IV. gilt nachweislich als Begründer der beiden Pferderassen „Anglo-Araber“ und „Zweibrücker“. Die mittelgroßen, harten Pferde, die sich in Parforcejagden bewähren mussten, eigneten sich gut für die Kurierdienste und für die Kavallerie.

Bedeutung des Landgestüts

Welche Bedeutung diese kleine Pferdezuchtregion in diesen Jahren hatte und welche Begehrlichkeit die erweckten, zeigt der Ankauf von 150 Hengsten durch König Friedrich II. von Preußen, den „alten Fritz“, im Jahre 1783 zum Ausbau seines berühmt gewordenen Gestüt Trakehnen. Im Hauptbeschälerbuch Trakehnen der Jahre 1732 – 1945 sind die Zweibrücker Hengste und verzeichnet, die Landstallmeister von Burgsdorff zu den Hengsten rechnet, welche dem gesamten Trakehner Gestüt von 1768-1808 am meisten genützt haben.

Herzog Karl II. August (1775 – 1795), der Neffe und Nachfolger Christians, führte die Zucht im Sinne seines Vorgängers weiter und prägte in der Präambel seiner neuen Gestütsordnung den richtungsweisenden Leitsatz: „Um unseren getreuen Unterthanen mehrern Verdienst und Nahrung zu verschaffen, auch das Geld im Lande zu behalten, sollen nach unseren gnädigsten Gesinnungen in unseren gesamten Herzoglichen Landen soviel immer thunlich schöne brauchbare und gute Pferde gezogen werden.“

Französische Zeit

Die französische Zeit sollte ca. 20 Jahre dauern. Im Jahre 1793 besetzten die französischen Revolutionstruppen die Bistümer des ausschweifend wirtschaftenden Herzoghauses. Der Hengstbestand sowie die Stuten und Fohlen wurden nach Rosières-les-Salines bei Nancy verbracht. Erst 1802 kehrten sechs Hengste nach Zweibrücken zurück. Inzwischen war Napoléon Bonaparte zum Kaiser der Franzosen aufgestiegen. Bei seinen Feldzügen hatten ihn die mit Pferden aus der in Rosières weiterbetriebenen Zweibrücker Zucht ausgestatteten Regimente wohl derart beeindruckt, dass er am 4. Juli 1806 auf dem heutigen Gelände des ehemaligen Schlösschens der Gräfin von Forbach die Wiedereinrichtung des Zweibrücker Gestütes verfügte. Der ehemalige Gestütsbesitz, der als einziger nicht verkauft, sondern verstaatlicht worden war, wurde dem Gestüt wieder zugewiesen. Aus Rosières, aus verschiedenen Teilen Deutschlands, aus Spanien und Ungarn kamen Hengste nach Zweibrücken. Der Bestand belief sich schließlich auf 260 Hengste und 112 Stuten. Nur 50 – 60 Hengste verblieben ständig in Zweibrücken. Die anderen kamen auf die dem Zweibrücker Hauptgestüt unterstehenden Depots in den Departements Ardennen, Dyle, Lys, Meurthe (Rosières) und Bas-Rhines (Straßburg).

Napoleons Hengst "Fayoum"

Ein besonderes Zeichen kaiserlicher Wertschätzung war, dass Napoleon I. seinen arabischen Hengst Fayoum, den er in den Schlachten von Wagram und Eylau sowie in Austerlitz ritt, dem Landgestüt Zweibrücken im Jahre 1811 zum Geschenk machte.

Die Flucht im Jahr 1814

Im Jahre 1814 flüchtete Gestütsdirektor Strubberg als Folge der Befreiungskriege mit 78 Hengsten, 29 Stuten und 24 Hengstfohlen in Richtung Fontainebleau. Auf dem Weg wurden die Pferde des Gestüts bei Auxerre von österreichischen Truppen ausgehoben, die schönsten, 64 an der Zahl, herausgenommen und nach Wien verbracht. Unter diesen Pferden befand sich auch der anglo-normänner Hengst Nonius, der Stammvater der berühmten Nonius-Rasse in Ungarn.

Der Weg zum Königlich-Bayrischen Land- und Stammgestüt

Vom Pfälzischen Kreisgestüt zum Königlich-Bayrischen Land- und Stammgestüt führte der weitere Weg Zweibrückens, als 1816 die Pfalz zum Königreich Bayern kam. Es gelang, 13 Hengste und zwei Stuten aus der alten Zweibrücker Zucht anzukaufen. Dazu kamen bayrische, persische, arabische und englische Hengste. 1828 wurden 5 Araber-Hengste in Damaskus gekauft, die nach einem dreimonatigen Marsch über die Alpen am 9. März 1828 gesund in Zweibrücken ankamen. Hauptabnehmer der zum Teil stark arabisierten Pferde waren die Militärverwaltungen; waren doch in Zweibrücken seit 1816 immer wieder berittene Einheiten stationiert, nämlich die . Auch in den erstmals 1821 durchgeführten und seit 1872 zu einer ständigen Einrichtung gewordenen Pferderennen bewies auch die „Zweibrücker Race“ ihre englisch-arabische Abstammung, ihr Feuer und ihre Ausdauer.

Der erste Weltkrieg

Der erste Weltkrieg brachte einen erneuten Einschnitt in die Weiterentwicklung der Zucht. Der Wegfall des Remonteverkaufs führte zu einem Umzüchtungsziel, das nur noch die Belange der Landwirtschaft berücksichtigte. Um die Zucht kräftiger Zugpferde schneller voranzutreiben, waren bereits im Jahre 1949 mehrere typtreue Zuchtpferde aus Frankreich eingeführt worden. Der pfälzischen Kaltblutzucht standen 1951 sechzehn Gestütshengste zur Verfügung, von denen 13 dem Pfalz-Ardenner Schlag angehörten.

Der zweite Weltkrieg

Im zweiten Weltkrieg wurde Zweibrücken, in der sogenannten Roten Zone gelegen, geräumt. Das Gestüt wurde zweimal (1939/40 und 1944/45) nach Bayern (Schwaiganger und Achselschwang) evakuiert. Mit der Stadt Zweibrücken wurden auch die Gestütsanlagen in den letzten Kriegstagen zerstört.

Das deutsche Reitpferd

Die Umzüchtung zum modernen Reitpferd war die Folge des durch die zunehmende Technisierung und Motorisierung bedingten Rückgangs der Pferde in der Landwirtschaft und im Fuhrwesen. Als Folge abnehmender Bedeckungen wurde das Gestüt 1960 umgebildet. Zweibrücken wurde Hengstdepot (Landgestüt), das Stammgestüt Eichelscheid aufgelöst bzw. verkauft und das Hauptgestüt (Fohlenstation) Birkhausen aufgelöst und an den Trakehner-Verband verpachtet. Der letzte Zweibrücker Hengst, der den Zweibrücker Gestütsbrand trug, der Hengst , ging 1969.

Unter dem Oberbegriff "Deutsches Reitpferd" wurde der Zweibrücker verstärkt zunächst von Hengsten Trakehner Abstammung und in den vergangenen Jahren verstärkt vom Hannoveraner beeinflusst.

Die 60er Jahre

Der Hengstbestand der 60er Jahre von 20 – 25 Hengsten wurde auf 10 – 12 halbiert. Unter dem Motto „Das Pferd muss bleiben“ konnte das Pferd als Partner zur Freizeitgestaltung und zur sportlichen Betätigung wiederentdeckt werden. Gezüchtet wird heute ein edles, großliniges und korrektes, gesundes und fruchtbares Pferd mit schwungvollen, raumgreifenden, elastischen Bewegungen, das aufgrund seines Temperamentes, Charakters und seiner Rittigkeit für Reit- und Fahrzwecke jeder Art geeignet ist.

Quelle: Wikipedia